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Vom Schiedsrichter verschaukelt

Uli Stielike und der umstrittene Schiedsrichter Leonardus van der Kroft.

Im Europapokal auszuscheiden, ohne dabei vom Gegner bezwungen worden zu sein, ist bitter. Borussia musste diese Erfahrung in der Saison 1975/76 machen. Im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister kommt es zum Duell mit Real Madrid mit dem Ex-Borussen Günter Netzer. Das Hinspiel im Düsseldorfer Rheinstadion endet trotz Überlegenheit des VfL 2:2. Die zwei Auswärtstore der „Königlichen“ sind eine große Hypothek für das Rückspiel zwei Wochen später.

125.000 Zuschauer verwandeln das ehrwürdige Bernabeu-Stadion in einen Hexenkessel, in dem sich die Mannschaft von Trainer Udo Lattek aber bestens bewährt. Borussia kontrolliert das Geschehen, vor allem das Mittelfeld ist deutlich besser im Spiel als das der Hausherren. Und vorne lässt Jupp Heynckes die mitgereisten 2.000 VfL-Fans nach 25 Minuten jubeln. Nach einer Flanke von Uli Stielike wuchtet der Torjäger den Ball mit dem Kopf zum 1:0 ins Netz. Danach rückt zunehmend Leonardus van der Kroft in den Blickpunkt. Der niederländische Schiedsrichter pfeift Herbert Wimmer bei einer guten Chance zum 2:0 ungerechtfertigt zurück und zückt im ersten Durchgang drei Gelbe Karten gegen Borussen – jeweils nach harmlosen Vergehen.

Borussen zur Weißglut getrieben

Nach dem Seitenwechsel treibt van der Kroft den Deutschen Meister mit einer Vielzahl einseitiger Entscheidungen endgültig zur Weißglut. Borussia kommt der Spielfluss abhanden, die Leichtigkeit verschwindet. Einen äußerst fragwürdigen Freistoß nutzt Real nun zum Ausgleich. Die Lattek-Elf muss sich zurückkämpfen, agiert aber mitunter zu hektisch. In der Schlussphase kommt das Team dennoch zu zwei einwandfreien Treffern, denen van der Kroft aber die Anerkennung verweigert. Einmal will er Henning Jensen im Abseits gesehen haben, einmal zeigt sein Linienrichter ein vermeintliches Handspiel an. Zum Skandalspiel wird die Begegnung endgültig, als Wimmer von einer aus dem Publikum geworfenen Getränkedose getroffen wird und zu Boden sinkt, später aber weiterspielen kann.

An diesem Abend zwingt nicht etwa die spielerische Stärke des sechsmaligen Europacupsiegers Real Madrid die Borussia in die Knie, sondern der Schiedsrichter. Die Ansicht teilen die deutschen Medien uneingeschränkt. „Borussia in Madrid verschaukelt“, titelt die Westdeutsche Zeitung. Und die Rheinische Post schreibt: „Borussias Zorn ist zu verstehen“. Der VfL hat in beiden Spielen gegen Madrid nicht verloren und ist am Ende doch geschlagen. Das 1:1 genügt den Gastgebern zum Halbfinal-Einzug. „Der Schiedsrichter hat uns den Sieg geraubt“, fasst Jupp Heynckes die Ereignisse dieses Abends zusammen.

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