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Spielgemeinschaft

Zwangsspielgemeinschaft

Das Stadion am Bökelberg veränderte sich in den folgenden Jahren nicht mehr. Es fehlte am Geld und auch die sportliche Entwicklung der Borussia stagnierte. 1930 schloss der Westdeutsche Fußballverband die Mannschaft vom Spielbetrieb aus, weil einige Spieler – was damals nicht unüblich war – unerlaubte Zuwendungen für ihre Kickerei erhalten hatten. Nur noch selten fanden viele Zuschauer den Weg ins Stadion, eine Ausnahme war das Gastspiel des FC Schalke 04 am 16. Februar 1932. Die „Königsblauen“ galten damals als die mit Abstand beste Mannschaft im Fußballwesten und kamen mit ihren Stars Fritz Szepan und Ernst Kuzzora zum Freundschaftsspiel nach Gladbach. 7.000 Zuschauer sahen, wie Borussia eine Lehrstunde bekam und 0:6 verlor.

Der Fußball verändert sich

Die Machtübernahme durch Adolf Hitler und seine Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) veränderte auch den Fußball. Deutschland wurde für alle Sportarten in 16 Gaue eingeteilt, die besten Fußballvereine sammelte man in Gauligen. In der Gauliga Niederrhein kamen die Borussen unter, mussten aber eine Zwangsspielgemeinschaft mit dem ungeliebten lokalen Konkurrenten SC Mönchengladbach eingehen und unter anderem Namen spielen. Die Zwangsehe hielt nicht lange, die Vereine trennten sich nach nur einem Jahr wieder, was für Borussia 1935 den Zwangsabstieg in die Zweitklassigkeit nach sich zog. Mit erstklassigem Fußball im Stadion am Bökelberg war es damit für lange Zeit vorbei. Doch spätestens mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 hatten die Menschen in Gladbach ohnehin andere Sorgen. Während der Spielbetrieb in den ersten Kriegsjahren noch mit allerlei Einschränkungen und gehöriger Improvisationskunst aufrechterhalten wurde, passierte in Sachen Stadionumbau oder –erweiterung natürlich zunächst nichts mehr. Nach dem Kriegsende 1945 richteten die Briten in Mönchengladbach ein Sperrgebiet ein.

In diesem Sperrgebiet, das die Bewohner innerhalb weniger Stunden räumen mussten, befand sich auch das Bökelbergstadion. Hier ließ sich die 333. Field Artillery der britischen Armee nieder und nutzte das Rund der „Kull“ samt Spielfeld als Reparaturwerkstatt für Panzer. In entsprechend bejammernswertem Zustand sah der Rasen aus: Was einmal ein Fußballplatz war, sah nun eher aus wie ein frisch umgepflügter Acker. Bis zu einem halben Meter tief, so beschreiben es Zeitzeugen, seien die Furchen der Panzer im Spielfeld gewesen. Doch beim Thema „football“ stießen die aus dem Krieg heimgekehrten Borussen bei den Engländern auf offene Ohren. Heinz Ditgens, der vor dem Krieg zu Borussias erstem Nationalspieler geworden war und sich nun enorm für die Wiederbelebung des Vereinslebens und des Spielbetriebs einsetzte, knüpfte Kontakte zum zuständigen Oberleutnant McCormeck und schließlich erklärten sich die Engländer bereit, die Furchen auf dem Platz zuzuschütten und das ramponierte Spielfeld wieder in einen tauglichen Fußballplatz zu verwandeln.

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