Die 1. Meisterschsaft

Günter Netzer führt den VfL 1970 zur ersten Deutschen Meisterschaft.

Um 21.46 Uhr am 30. April 1970, einem Donnerstag, lagen sich 32.000 begeisterte Zuschauer im ausverkauften Bökelbergstadion in den Armen und bejubelten Borussias Mannschaftskapitän Günter Netzer, der sich von DFB-Präsident Dr. Hermann Gösmann die Meisterschale überreichen ließ. Aus Eicken dröhnten die Glocken der Kirchen St. Elisabeth und St. Mariä Rosenkranz hinauf zum Bökelberg. Im Stadion umarmten sich wildfremde Menschen wie uralte Freunde, die Fans stürmten mit ihren schwarz-weißen Fahnen den Rasen und stimmten zum kollektiven Jubelgesang an: „So ein Tag, so wunderschön wie heute …“

Borussia hatte sich in den Wochen zuvor im Rennen um den Meistertitel selbst Steine in den Weg gelegt. Dreimal hintereinander verlor Borussia 0:1, erst bei den Bayern, dann bei Hannover 96 und schließlich sogar bei den schon als Absteiger feststehenden Essener Rot-Weißen. Doch auch die Bayern strauchelten, verloren ihrerseits in Bremen, und so wussten Hennes Weisweiler und seine Spieler, dass sie am 33. Spieltag mit einem Heimsieg gegen den Hamburger SV alles klar machen konnten.

Endlich wieder wie im Rausch

Und endlich spielte der VfL wieder wie im Rausch. Regisseur Günter Netzer (Foto) durfte zaubern wie er wollte und Borussias Angreifer ließen sich von der HSV-Abwehr nicht bremsen. Bis zur Pause schossen Herbert Laumen, Berti Vogts und Horst Köppel einen 3:0-Vorsprung heraus und die dreiköpfig angereiste DFB-Delegation sah sich ermutigt, die mitgebrachte Meisterschale am Spielfeldrand aufzubauen. Gleich nach dem Seitenwechsel erhöhte Hartwig Bleidick auf 4:0 und alles schien gelaufen. Doch aus dem vermeintlichen Spaziergang zur Meisterschaft wurde plötzlich noch ein Krimi. Den ersten Hamburger Treffer von Hans-Werner Kremer nahmen die Zuschauer noch gelassen hin, nach dem zweiten von Gert Dörfel schauten sie sich bereits sorgenvoll an. Als in der 85. Minute aber noch Klaus Fock zum 4:3 traf, begann am Bökelberg das große Zittern. Borussias Abwehr schwamm, der Angriff sorgte nicht mehr für Entlastung und Trainer Weisweiler hielt es nicht mehr auf seinem Stuhl.

Entsprechend groß war die Erlösung als Schiedsrichter Riegg aus Augsburg endlich den Schlusspfiff ertönen ließ. Stadionsprecher Rolf Göttel verkündete für alle hörbar, was jeder im Stadion nur zu genau wusste: „Deutscher Meister 1970: Borussia Mönchengladbach.“ Erster Gratulant war übrigens Borussias Vorgänger, der FC Bayern München. Bereits um 21.10 Uhr hatte der Titelverteidiger ein Glückwunschtelegramm gekabelt – 35 Minuten vor Spielende glaubten die Bayern wohl angesichts des 4:0-Vorsprungs der Gladbacher nicht mehr an ihre Chance.

33. Spieltag, Saison 1969/70: Borussia - Hamburger SV 4:3 (3:0)

Borussia: Kleff - Vogts, Müller, Sieloff, Bleidick – Dietrich, Netzer, Laumen – Wimmer, Köppel, Le Fèvre (85. Schäfer)

Trainer: Weisweiler

Tore: 1:0 Laumen (15.), 2:0 Vogts (38.), 3:0 Köppel (45.), 4:0 Bleidick (47.), 4:1 Kremer (55.), 4:2 Dörfel (69.), 4:3 Fock (85.)

Zuschauer: 32.000 am Bökelberg (ausverkauft)

Böklunder