Ein letztes Mal

Der zweite Titel mit Lattek als Coach ist die letzte Meisterschaft, die der VfL gewinnt. 1978 fehlen nur drei Tore zum erneuten Triumpf.
Seht her! VfL-Trainer Udo Lattek freut sich mit der Meisterschale auf dem Kopf über die erneute Titelverteidigung.

Zur neuen Saison startete Borussia erstmals (und damit mehr als zwei Jahre später als die bahnbrechenden Braunschweiger "Jägermeister") mit dem Namen eines mehrere hunderttausend Mark berappenden Werbepartners auf den Trikots. “Erdgas“ sponserte den Gladbachern ihre letzte Meistersaison. An deren Ende standen sie auch im Finale des Europapokals der Landesmeister und freuten sie sich darüber, dass Allan Simonsen als erstem und bis heute einzigem Gladbacher das Prädikat "Europas Fußballer des Jahres" zuteil wurde.

Zuvor war die Borussia mit zehn Siegen und drei Remis, 23:3 Punkten und 32:8 Toren geradezu traumhaft in die neue Saison gekommen. Dass dennoch längst nicht alles Gold war, was in jenen Tagen glänzte, beweist ein Blick auf die Abschluss-Statistik. Zwar war der Borussia mit einem Punkt Vorsprung vor den Schalkern der Meisterschafts-Hattrick gelungen, doch hatte Lattek, "mit seinen Disziplinarmaßnahmen den Borussen die Genialität ausgetrieben". Die Borussia schaffte als Meister nur 17 Siege - bis heute die drittwenigsten der Bundesligageschichte. Borussia erzielte als Meister nur 58 Tore.

Wittkamp verhindert ersten Sieg in München

Am 34. und letzten Spieltag wollten die Borussen beim Dauerrivalen aus München ihr Meisterstück machen. Ein Sieg oder zumindest eine Punkteteilung musste her, wenn man sich nicht noch von den Schalker Knappen auf der Zielgeraden abfangen lassen wollte. Und es sollte nach Plan laufen, dank einer überraschend mutigen Entscheidung des Trainers. Der nämlich ließ zum Spiel der Spiele Uli Stielike und Jupp Heynckes in der Startelf auflaufen, beide hatten die Spiele zuvor wegen hartnäckiger Verletzungen aussetzen müssen. Doch ausgerechnet die Rekonvaleszenten brachten die Borussen frühzeitig auf die Siegerstraße. Heynckes besorgte nach 20 Minuten aus der Drehung die 1:0-Führung, Stielike erhöhte zwei Minuten darauf per Fernschuss auf 2:0. Dass Gerd Müller noch vor der Pause auf 2:1 verkürzte, fiel nicht weiter ins Gewicht. Die Bayern, am Ende der Saison abgeschlagen auf Rang sieben gelandet, brachten die der ersten Meisterschaft und dem ersten Sieg beim Erzrivalen entgegen fiebernden Borussen nach dem Wechsel nicht mehr großartig in Gefahr.

Also sorgte Borussen-Libero Jürgen Wittkamp noch einmal für das große Zittern: mit einem Eigentor in der 90. Minute. Die Meisterschaft hing für wenige Momente am seidenen Faden, blieb aber durch den Schlusspfiff Sekunden später doch am Niederrhein. Die Gladbacher gewannen den Titel, sollten aber bis zum Oktober 1995 auf den ersten Sieg im Münchener Olympiastadion warten müssen.

34. Spieltag, Saison 1976/77: Bayern München - Borussia 2:2 (1:2)

Borussia: Kneib - Vogts, Wittkamp, Schäffer, Klinkhammer, Bonhof, Wohlers, Wimmer, Stielike, Simonsen, Heynckes (74. Kulik)

Tore: 0:1 Heynckes (20.), 0:2 Stielike (22.), 1:2 Gerd Müller (36.), 2:2 Wittkamp (Eigentor/ 90.)

Zuschauer: 77.500 im Münchener Olympiastadion