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U17-Mädchen: Präsenter auf dem Platz durch Achtsamkeitstraining

Borussias U17-Mädchen haben ein sechswöchiges digitales Achtsamkeitstraining absolviert. Dieses soll den Mädels mittels verschiedener Meditationsübungen helfen, präsenter und aufmerksamer auf dem Fußballplatz zu sein.

„Legt euch auf den Rücken, schließt die Augen und macht euch bewusst, an welchen Stellen euer Körper den Boden berührt. Konzentriert euch nun auf euer linkes Bein und wandert es hinunter bis zu eurem großen Zeh. Spürt nun den zweiten Zeh und nehmt nun den mittleren Zeh wahr“, sagte Henning Löhmer mit langsamer und ruhiger Stimme. Der Masterstudent, der seine Abschlussarbeit über „Achtsamkeit im Jugendsport schreibt, führte in den vergangenen sechs Wochen ein digitales Achtsamkeitstraining, das sogenannte „Mindful Sport Performance Enhancement“, mit Borussias U17-Mädchen durch. Der aus Amerika stammende neue Ansatz fand in den zurückliegenden Jahren auch seinen Weg nach Deutschland und soll den Sportlern helfen, mittels Aufmerksamkeitskontrolle und Emotionsregulation die optimale Leistungsfähigkeit zu entfalten.

Seinem Körper bewusst werden

In den jeweils 60-minütigen Sitzungen führte Löhmer mit den U17-Mädchen der Fohlen verschiedene Meditationsübungen durch. Beim sogenannten „Bodyscan“ lagen die Spielerinnen mit geschlossen Augen auf dem Boden und lenkten mittels Sprachanleitung des Masterstudenten ihre Aufmerksamkeit auf die einzelnen Körperteile. Nach der rund 14-minütigen Übung folgte ein Feedback der Mädels. „Mit der Zeit klappt es immer besser, sich den einzelnen Körperteilen bewusst zu werden und nicht abzuschweifen“, sagte U17-Spielerin Rian Sprünken nach der letzten Einheit. Löhmer freute sich über diese Rückmeldung sehr. „Es ist schön, dass die Spielerinnen schon nach sechs Wochen einen Unterschied merken. Dass man zwischendurch mal abschweift ist völlig normal. Dann muss man sich aber wieder bewusst machen, dass die Gedanken gerade woanders sind und seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen Körper lenken.“

Während es beim „Bodyscan“ darum ging, sich darauf zu konzentrieren, seine einzelnen Körperteile zu spüren, lenkten die Akteurinnen bei der bis zu 21-minütigen Sitzmeditation ihre Aufmerksamkeit auf die Atmung. Erneut führte Löhmer die Spielerinnen, die mit geradem Rücken und geschlossenen Augen, die Füße mit festem Kontakt zum Boden, auf einem Stuhl saßen, mittels Sprachinformationen durch die Übung. „Spürt ganz bewusst, wie die Luft an eurer Nasenspitze in euren Körper hineinströmt, sich die Bauchdecke anhebt und sich beim Ausatmen wieder senkt und die Luft an der Nasenspitze wieder hinausströmt.“

Sitzmeditation auf den Platz übertragen

Vor allem die Sitzmeditation soll den Mädels helfen, die Atmung auch im Spiel in einer Wettkampfsituation als Anker zu benutzen. „Auch auf dem Platz schweifen die Gedanken schnell in eine andere Richtung. Durch zwei oder drei tiefe Atemzüge kann man sich wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren, sich also auf den Bewegungsablauf konzentrieren. Dann ist man im sogenannten Flow“, so Löhmer. Dies führe unter anderem auch zu einer besseren Qualität der Technik und dazu, beispielsweise ohne Druck den nächsten Pass zu spielen. Ziel sei es, alles wahrzunehmen, ohne es zu bewerten, dann aber auch wieder loszulassen und seine Aufmerksamkeit auf die nächste Situation zu lenken. Auch in Drucksituationen wie bei einem Elfmeter oder wenn ein Gegenspieler auf einen zukommt, könne dies helfen, seine Emotionen zu kontrollieren und die optimale Leistung abzurufen.

Neben theoretischen Lektionen dazu, inwiefern die Mädels die verschiedenen Meditationsformen auch auf den Platz übertragen können, gab es auch fußballspezifische Aufgaben. Beim „Achtsamen Dribbeln“ sollten die Spielerinnen mit verschiedenen Fußabfolgen, wie mit ein oder zwei Kontakten rechts und links, dribbeln, sich dabei aber jedem einzelnen Kontakt bewusst werden und diese wahrnehmen. „Ziel ist es, präsenter sowie wacher auf dem Platz zu sein und über die kompletten 90 Minuten seine optimale Leistungsfähigkeit auf den Platz zu bringen“, konstatierte Löhmer.

Auch wenn das Achtsamkeitstraining aufgrund der aktuellen Corona-Situation nur digital stattfinden konnte und die Spielerinnen die Dinge noch nicht auf den Platz übertragen konnten, half ihnen das Achtsamkeitstraining schon in anderen Situationen. „Einige Mädels konnten die Atemübungen schon für Prüfungen in der Schule anwenden oder auch nach einem langen Lerntag dadurch wieder entspannen“, freute sich Borussias U17-Co-Trainer Christian Klein. Nach sechs Sitzungen ist das Achtsamkeitstraining nun erst einmal beendet. Viele Spielerinnen sind sich aber sicher: Sie machen die Übungen weiter und wollen achtsamer auf dem Platz werden.

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