Die Fohlen steigen am Bökelberg auf

Der Bökelberg 1965, an das Dach der Haupttribüne denkt noch niemand.

Meister der Regionalliga West

Weisweiler wurde Borussia Meister in der Regionalliga West. Die Angriffsreihe der Gladbacher mit den jungen Stürmern Günter Netzer, Bernd Rupp, Jupp Heynckes und Herbert Laumen sorgte für viele torreiche Spiele und lockte die Fans in Scharen ins Bökelbergstadion. Innerhalb nur eines Jahres verdoppelte sich der Zuschauerschnitt bei den Heimspielen von 9.474 (1963/64) auf 19.706 (1964/65). Eine Resonanz, die Borussias Vorstand gleichzeitig freute und ängstigte. Wie nur, so fragte man sich nämlich, sollte man der Massen Herr werden, die bei den nun anstehenden Aufstiegsrundenspielen an den Bökelberg strömen würden. Man entschied sich dafür, das Fassungsvermögen des Stadions speziell für die drei Spiele gegen Holstein Kiel, den SSV Reutlingen und Wormatia Worms zu erhöhen. Im Handumdrehen wurde die Lücke zwischen Ostwall und Nordkurve mit Zusatztribünen aus Stahlrohrkonstruktionen gefüllt. Nun hatten 35.000 Fußballfreunde am Bökelberg Platz. Und sie kamen, bei allen drei Spielen der Aufstiegsrunde, die Borussia als Sieger und neues Mitglied der Bundesliga beendete.

Der Jubel über den Aufstieg war noch nicht ganz verklungen, als in Mönchengladbach eine hitzige Debatte einsetzte. „Wo wird Borussia ihre Bundesligaheimspiele austragen?“, lautete die Frage, die von der Vereinsführung aufgeworfen und daraufhin in der Stadt heftig diskutiert wurde. In seinem 1991 erschienenen Buch „Meine launische Diva“ beschrieb Helmut Grashoff die Überlegungen, die ihn und seine Vorstandskollegen seinerzeit beschäftigten: „Konnte der Bökelberg den Ansprüchen gerecht werden? Fehlende überdachte Tribüne, unausgebaute Gegengerade, im bevorzugten Wohngebiet liegend, ohne nennenswerte Ausdehnungsmöglichkeiten, all dies ließ uns über andere Möglichkeiten für die Austragung unserer künftigen Meisterschaftsspiele nachdenken.“ Die Borussen schielten auf das Grenzlandstadion in Rheydt, in dem sie schon von 1960 bis 1962 gespielt hatten. Zwar fehlte es wie am Bökelberg auch dort an Tribünenüberdachung und Flutlicht, doch die insgesamt großzügigere Anlage schien mittelfristig die besseren Möglichkeiten zu bieten. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und müssen gucken, dass die Rechnung stimmt“, sagte Präsident Dr. Beyer. „Ganz gleich, wie viele Millionen man in den Bökelberg investieren würde, mehr als 39.000 Zuschauer wird man nie hineinbringen. Das Grenzlandstadion dagegen kann auf ein Fassungsvermögen von 70.000 erweitert werden.“

Ein Umzug wäre blamabel

Angeheizt wurde die Debatte von den lokalen Zeitungen: „Für die Stadt Mönchengladbach wäre ein Umzug Borussias sicher blamabel“, schrieb die Westdeutsche Zeitung und die Rheinische Post hatte schon Ende 1964 den Bau einer Tribünenüberdachung im Bökelbergstadion verlangt: „Wenn man 90 Minuten lang höchst ungemütlich auf nassem Untersatz den strapazierten Hosenboden trocken und warm reiben muss, packt einen des Stadions ganzer Jammer.“ Druck auf die Stadtverwaltung entfachten auch die Gladbacher Gastronomen, die bei einem Umzug der Borussen erhebliche Umsatzverluste befürchteten. Nachdem der DFB Borussia ultimativ aufforderte, bis zum 14. Juli 1965 endlich eine Spielstätte zu benennen, kam der Stadtrat dem Verein entgegen und versprach den weiteren Ausbau des Stadions. Borussia ließ sich überzeugen und meldete den Bökelberg als Heimspielort für die bevorstehende erste Bundesligasaison.